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Paul Faistenauer - 65 Jahre aktives Mitglied - eine Legende erzählt

Es war der stille Höhepunkt eines musikalischen Abends. Eingebettet in ein Programm von Musikstücken, die allesamt den Gefahren und der Schönheit unserer Berge gewidmet waren, nahm er beim heurigen Frühjahrskonzert eine ganz seltene Ehrung entgegen – im Durchschnitt der Jahre werden in unserem Bundesland nämlich nur fünf Musikanten für 65-jährige Treue ausgezeichnet. Er, gefasst wie immer, souverän im Auftritt, nahezu unwiderstehlich sein Lächeln, nimmt diese Urkunde mit sichtbarem Stolz entgegen. „..langjähriges gemeinnütziges Wirken… im Dienste der Heimat……hat die Landesregierung beschlossen……Dank und Anerkennung….“Als dies verlesen wird, wohl ein Gedanke an längst Vergangenes, mit Sicherheit eine Erinnerung an Kameraden von einst und Dankbarkeit ob der Tatsache, diese unglaubliche Ehrung als aktiver Musikant erleben zu dürfen.

 

Paul nimmt uns mit auf die Reise in seine musikalische Vergangenheit ……
Er wird 1935 am Oberloaminger–Hof als drittes von acht Kindern geboren. Sein musikalisches Talent war nicht unbedingt vorprogrammiert, denn von einer solchen Begabung seines Vaters weiß er nichts zu berichten. Wenn bei ihm Gehör und Talent in die Wiege gelegt wurden, dann schon eher mütterlicherseits, denn die Sangesfreude seiner Mutter ist ihm in Erinnerung geblieben. Was letztlich ausschlaggebend war, dass er 1947 zum Instrument gegriffen hat, das bleibt verschüttet – mag es vielleicht das Vorbild Franz Strasser gewesen sein, der ihn ein halbes Jahr lang beim Unterlitzl auf der Posaune unterrichtet hat oder war es vielleicht doch das Drängen seines damaligen Oberlehrers Johann Mair, der in seiner Funktion als Kapellmeister das Talent und auch den Ehrgeiz des jungen Paul erkannt haben mag. Wie auch immer, es war jedenfalls eine für die weitere Entwicklung unserer Musikkapelle unglaublich positive Fügung, denn der laut Selbsteinschätzung sehr ehrgeizige Musikschüler hat sich bald durch Fleiß und Disziplin zu einem der stabilen Anker eines hin und wieder auch durch stürmische Zeiten fahrenden Ensembles entwickelt. Welche emotionalen Stürme das Innenleben eines Musikanten erfassen kann, insbesondere dann, wenn dieser im grellen Scheinwerferlicht und vor mehreren hunderten Augenpaaren als Solist gefordert ist, auch davon weiß er zu berichten: Als er mit 14 Jahren den „Fidelen Posaunisten“ beim Mühltalwirt zum Besten gibt und diesem Solostück die nicht enden wollende und seinen Namen nennende Ansage des Matthias Schwab vorausgeht oder als er 1974 am 8. Dezember als Solo-Baritonist den „Teddy-Bären“ vor den gestrengen Augen und Ohren der Obmänner und Kapellmeister des Musikbezirkes vortragen darf – schweißende Hände, unstete Atmung und ein nicht mehr fassbarer Pulsschlag, Ingredienzien für das alles entscheidende erste Anblasen. Paul, keine Frage, hat es natürlich souverän gemeistert und bezeichnet Derartiges in einem persönlichen Rückblick als Chance für junge Charakteren, sich zu festigen und positiv zu entwickeln. Seinen ersten offiziellen Auftritt als Musikant unserer Musikkapelle weiß er auch noch nach 65 Jahren genau zu benennen: Seite an Seite mit Astner Sepp spielt er Posaune in der Zehn-Mann starken Kirchenmusik, auf dem Notenpult liegt die „Engelmesse“. Der Posaune, wohl nicht nur ob der alttestamentarischen Erwähnung seine eigentliche „Geliebte“, folgt nach fünf Jahren das Flügelhorn, welches er nach weiteren vier Jahren pflichtbewusst zur Seite legt, um schließlich in treuer Verbundenheit mehr als ein halbes Jahrhundert lang bis herauf zum heutigen Tag mit dem Bariton die rechte Flanke der Kapelle zu bilden. Apropos Flügelhorn: Dieses spielte er auch, als 1954 das erste Itterer Musikfest über die Bühne ging, damals eintägig und verbunden mit der Einweihung des Schlosses.

 

Für so manchen Musikanten ist das Ja am Traualtar mit einem Knick in der musikantischen Karriere verbunden – verständlich allemal: die Hingabe an den Partner erfordert volles auch zeitliches Engagement, Kinderbetreuung, Hausbau etc. Nicht so bei Paul, der 1961 seine Lisi geheiratet hat, die mit ihrem Ja zu Paul auch ein lebenslanges und uneingeschränktes Bekenntnis zu seinem musikalischen Engagement verbunden  hat.  So sonnig ihr Gemüt und so offensichtlich ihre Verbundenheit, so klar ist auch die Antwort auf die Frage, ob denn die vielen Ausrückungen und Verpflichtungen nicht eine Entbehrung für die Familie bedeutet hätten: „Wenn er der Musik und der Gemeinschaft auch viel gegeben hat, so hat er auch vieles bekommen, Musik gehört zu ihm, er ist Musikant mit Leib und Seele“. Und Paul ergänzt: „Wenn ich auch hin und wieder so manches kritisch hinterfragt habe und mich dann und wann auch grundsätzliche Zweifel beschlichen haben, dann war es Lisi, die mich mit viel Emotion und Beharrlichkeit darauf gedrängt hat, der Musikkapelle unbedingt die Treue zu halten“ – wohl im Wissen darum, dass seine Balance und Ausgeglichenheit in diesem Engagement begründet sind.

 

Gerne denkt Paul an die vielen Einsätze in diversen Musikgruppen: An die Weisenbläser mit Mich, Hausl und Jakob, denen er auch freundschaftlich eng verbunden ist. An die Inntaler, deren Weiterbestand ihm ein großes Anliegen wäre und schließlich an die Tanzmusik, deren Mitbegründer er mit seinem Bruder im Jahr 1953 war und aus der in weiterer Folge die Fidelen Brixentaler hervorgegangen sind. Auch das Turmblasen in der Heiligen Nacht, durch 40 Jahre hindurch, hat sich unauslöschlich in seine Erinnerung eingebrannt. Sein mit schelmischem Lächeln unterfangener Blick in die Ferne lässt es erahnen, dass sich in den 65 Jahren musikantischen Wirkens ein Übermaß an Anekdoten zugetragen hat. So denn: Die Konzertfahrten nach Deutschland waren einst wichtig, um die finanziellen Notwendigkeiten abdecken zu können. Eine dieser Fahrten führte unsere braven Recken nach Pfeffenhausen, fröhlich die Anreise, bloß die Ankunft war einen Tag zu früh. Sie schafften es, die 24 Stunden bis zum Konzert zu überbrücken, aber der Preis dafür war hoch: drei Musikanten konnten ob ihrer Verfassung nicht zum Konzert zugelassen werden. Bei dem Mitgliederstand von heute wäre dies zu kaschieren, aber bei 25 Mann, dem in dieser Zahl bis in die 90-er Jahre herauf beständigem Mitgliederstand, war ein solcher Ausfall einer Katastrophe gleich. Der Itterer Dreigesang mit Lisi und die Weisenbläser samt Paul, sie waren die Akteure der Tirolerabende von einst. Das dabei Ersparte wurde gemeinsam gestiftet, eine Reise nach Navis war der Lohn. Das dabei Erlebte, Geselligkeit und Freundschaft, berührend erzählt, man kann es bei den beiden fassen: Verbindendes in alle Ewigkeit. Wer unseren Paul kennt, dem gewährt er gerne Einschau in seinen musikantischen Wertekodex. Wenig überraschend, dass Kameradschaft dort den ersten Rang belegt. Er definiert Kameradschaft als Zusammenhalt, der in mehrfacher Hinsicht zum Tragen kommt, nämlich im richtigen Maß an Probenfleiß, Pünktlichkeit und Disziplin. Erfolg und Kameradschaft sind keine Selbstverständlichkeit, sind keine Selbstläufer, sie müssen erarbeitet werden. Und das ist es auch, was er seinen jungen Freunden in der Musikkapelle in ihr Stammbuch schreiben möchte – eine ordentliche Ausbildung, gepaart mit Fleiß und Zusammenhalt, eine Potpourri all dieser Eigenschaften als Voraussetzung für ein gelungenes musikantisches Wirken. Paul ist hier erhaben, ein in seiner Strahlkraft kräftigeres Vorbild kann es nicht geben: Erst 1968 wird die Straße hinauf zum heimatlichen Hof gebaut, vorher ein Gehweg, ein „ich bin zu müde“ gab es nie. 1998 wird die Alm neu errichtet, die Bewirtschaftung derselben geschieht im Sommer, eben gerade zur Zeit der Konzerte, Umzüge und Feste – ein „zu weit, zu teuer, zu aufwändig“, auch das gab es nie.

 

Paul ist stolz auf das Gewesene und groß ist seine Freude über das Heute. Die erfolgreiche Jugendarbeit der vergangenen Jahre trägt Früchte, die Saat all dieser Bemühungen ist aufgegangen. Mehr als 80 Musikantinnen und Musikanten sind es nun, die ihren Paul nicht nur symbolisch in ihrer Mitte sehen, als er beim Frühjahrskonzert die besagte Ehrung erhält. Wir sind stolz darauf, dass wir ihn ein Stück seines langen musikalischen Weges begleiten durften. Wir sind dankbar, dass seine gelebte Kameradschaft uns den Weg weist, der nicht nur ihm in seinem Wirken stets Richtschnur war, sondern Sinn und Erfüllung für jeden Einzelnen in unsere Gemeinschaft bringen kann. Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor seinem großen musikantischen Lebenswerk, das uns Vorbild ist und bleiben wird. Wir danken ihm für seine wahrhaftige Treue, denn sein Beispiel ist pure Motivation. Es möge so bleiben wie es ist, das wünscht sich Paul, befragt nach der Zukunft. Wir meinen, dass dieses Heute, die spürbare Freude in der Musikkapelle, der Zusammenhalt und der hoffnungsfrohe Blick in die Zukunft ohne Männer wie ihn nicht möglich gewesen wäre. Dass er dafür in den vielen Jahren seines Wirkens das Fundament gelegt hat, dafür wollen wir ihm aufrichtig und ehrlich danken. Viele Jahre Gesundheit und Frohsinn, viel Lebensfreude an der Seite seiner lieben Lisi und noch unendlich viele Proben, Konzerte und Feste inmitten seiner Musikantinnen und Musikanten, das wünschen wir unserem Paul von ganzem Herzen.

 

Willi Mayr